Gerahmte Erinnerungen

50 Jahre Museumsgeschichte

Fünf Jahrzehnte Museumsgeschichte – festgehalten in Fotografien, Objekten, Gebäuden und persönlichen Erinnerungen. Die Ausstellung „Gerahmte Erinnerungen“ lädt dazu ein, die Entwicklung des Museums von seinen Anfängen im Jahr 1976 bis in die Gegenwart nachzuverfolgen.

1976 beginnt mit Hans Grießmair die Geschichte des Museums. Was mit dem Sammeln und Bewahren erster Objekte seinen Anfang nimmt, entwickelt sich in den folgenden Jahren zu einem bedeutenden Museum für die bäuerliche Kultur und Lebenswelt Südtirols. 1980 öffnet das Museum erstmals seine Tore für die Öffentlichkeit.

Der historische Ansitz Mair am Hof bildet dabei den Ausgangspunkt. Bis 1984 ist hier die Landwirtschafts- und Hauswirtschaftsschule untergebracht. Nach deren Umzug in die neu errichteten Gebäude beginnt die umfangreiche Sanierung des Areals. Bestehende Gebäude und Mauern werden instandgesetzt und die Voraussetzungen für die neue Nutzung geschaffen.

Gleichzeitig wächst die Sammlung. Aus den ersten gesammelten Gegenständen entsteht im Laufe von fünf Jahrzehnten eine beeindruckende Sammlung von heute mehr als 65.000 Objekten. Jedes einzelne Stück steht für einen Teil der Alltags-, Arbeits- und Kulturgeschichte und trägt dazu bei, vergangene Lebenswelten sichtbar und verständlich zu machen.

Ein besonderer Teil der Museumsgeschichte ist mit den historischen Bauernhöfen verbunden, die aus verschiedenen Landesteilen Südtirols nach Dietenheim gebracht wurden. Der Höfeler aus dem Ahrntal, der Kleinfornella aus dem Gadertal und der Stadel des Hofes Ursch aus Mölten werden sorgfältig abgetragen, dokumentiert, auf Lastwägen transportiert und auf dem Museumsgelände wieder aufgebaut. So entsteht ein einzigartiges Ensemble historischer Gebäude, das bäuerliche Architektur und Lebensformen vergangener Zeiten bewahrt.

Doch die Geschichte des Museums ist auch von schwierigen Momenten geprägt. In der Nacht auf den 2. Dezember 1982 zerstört ein Brand den Stadel des Ursch-Hofes aus Schlaneid und den Hof Kleinfornella. Zahlreiche Feuerwehrleute aus der Umgebung stehen im Einsatz und versuchen, die Gebäude und ihre Inhalte zu retten. Am Ende bleiben nur Ruinen. Die Fotografien dieser Nacht erinnern an einen der dramatischsten Momente der damals noch jungen Museumsgeschichte.

Trotz dieses schweren Rückschlags wird die Entwicklung fortgesetzt. Im Laufe der Jahre kommen zahlreiche weitere Bereiche hinzu: das Bienenhaus, die Brechelhütte, die Venezianersäge, die Kapelle der 14 Nothelfer und verschiedene Stationen, die vom Handwerk, von der Landwirtschaft und vom Alltag erzählen. Auch Landschaftselemente wie der Teich und das Mühlental werden zu wichtigen Bestandteilen des Museums.

Neben dem Sammeln und Bewahren gewinnt die wissenschaftliche Arbeit zunehmend an Bedeutung. Das Museum dokumentiert, erforscht und veröffentlicht seine Bestände. Seit 2009 erscheint die Publikationsreihe „Beiträge zur Volkskultur“. Forschungsprojekte tragen dazu bei, das Wissen rund um die Objekte zu vertiefen und weiterzugeben.

Auch die zahlreichen Sonderausstellungen sind ein Spiegel dieser Entwicklung. Sie widmen sich unterschiedlichsten Themen. Jede Ausstellung eröffnet einen neuen Blick auf die Sammlung und auf die Geschichte der Menschen, die hinter den Objekten stehen.

Im Zentrum all dieser Entwicklungen stehen Menschen. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Vereine, Organisationen und zahlreiche ehrenamtlich Engagierte haben das Museum über Jahrzehnte hinweg mitgetragen. Besonders eng ist die Verbindung mit dem Dorf Dietenheim. Die Freiwillige Feuerwehr begleitet das Museum bei Veranstaltungen, Übungen und Festen und unterstützt es mit ihrem Fachwissen auch beim vorbeugenden Brandschutz.

Seit 1986 wird außerdem regelmäßig gemeinsam mit dem Südtiroler Volksmusikkreis, der Musikkapelle Aufhofen/Dietenheim und dem Heimatpflegeverband Südtirol der Tag der Volksmusik veranstaltet. Musik, Gesang und Tanz machen das Museum zu einem lebendigen Ort der Begegnung.

Ein Museum lebt jedoch nicht allein von seinen Sammlungen und Gebäuden. Es lebt von den Menschen, die es besuchen, nutzen und mitgestalten. Besonders für Kinder ist das Museum ein Erlebnisort, an dem Geschichte mit allen Sinnen entdeckt werden kann – beim Spielen, Beobachten und Ausprobieren.

Die Bildtafeln unter dem Motto „Gerahmte Erinnerungen“ erzählen von Aufbruch und Veränderung, von Verlust und Neubeginn, von Sammeln und Forschen, von gemeinsamer Arbeit und von der Freude am Bewahren.

Jede Fotografie hält einen besonderen Augenblick fest. Jedes Objekt erzählt seine eigene Geschichte. Zusammen ergeben sie ein Bild von fünf Jahrzehnten, in denen das Museum gewachsen ist und sich verändert hat – und zugleich seinen wichtigsten Auftrag bewahrt hat: Vergangenheit lebendig zu halten und für die Zukunft weiterzugeben.

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Blogserie Kurioses

Zimmerservice im Museum?

Ja, den gibt es. Frisch aufgebettet starten die elf Schlafkammern des Volkskundemuseums jährlich in die neue Museumssaison. Im Frühjahr holt das Reinigungspersonal Strohsäcke, Matratzen, Unterbetten, Überbetten und Polster zum Durchlüften aus ihren Winterlagern. Mit Unterleintuch, Überleintuch und Bezügen werden sie in den Bettgestellen, Gitterbetten und Wiegen hergerichtet und mit Bettwärmern, -pfannen und Nachttöpfen ausgestattet. So können sie den Besuchern und Besucherinnen präsentiert werden. Insgesamt müssen 27 Polster und 22 Federbetten bezogen, 19 Unterleintücher und 13 teils reich bestickte Überleintücher eingebettet werden. Natürlich frisch gewaschen und gebügelt!

Text: Irene Sapelza
Foto: Hermann Maria Gasser

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Blogserie gewisper – gerüchte – geschreӱ

Wirtshaus und Bauernkrieg 1525

Bauernkrieg 1525 in Tirol – Rebellion, Akteure und Erinnerung 

16. September 2025

Nach den Pestjahren wuchs die Bevölkerung wieder, doch wirtschaftliche Not und neue Verpflichtungen verschärften die Lage. Besonders Fronarbeit und Verwaltungsänderungen führten zu wachsendem Unmut auf dem Land.

Ab 1516 formierte sich im Eisack- und Pustertal Widerstand gegen die Obrigkeit. 1524 erreichten Nachrichten über Bauernaufstände in Südwestdeutschland Tirol – und lösten auch in Tirol eine Rebellion aus.

Am 9. Mai 1525 wurde Peter Passler aus der Haft befreit, Michael Gaismair zum Anführer gewählt. Das Kloster Neustift wurde angegriffen, Verwaltungsdokumente gezielt zerstört – ein direkter Angriff auf die Macht der Grundherrschaft.

Trotz anfänglicher Erfolge wurde der Aufstand von fürstlichen Söldnern brutal niedergeschlagen. Im Oktober 1525 war die alte Ordnung wiederhergestellt.

Wie sah ein Wirtshaus um 1525 aus?

Die Sonderausstellung zeigt eine inszenierte Wirtsstube mit originaler Deckentäfelung aus einem Gasthaus in Kurtinig (Südtiroler Unterland).

Sie bildet den Rahmen für die Akteure und sozialen Gruppen der Zeit – rekonstruiert auf Basis historischer Quellen.

Sonderausstellung „gewisper – gerüchte – geschreӱ. Wirtshaus und Bauernkrieg 1525“
Südtiroler Landesmuseum für Volkskunde, in Zusammenarbeit mit dem Stadtarchiv Bruneck
vom 10. Mai bis 9. November 2025
verlängert bis 30. Juni 2026

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Blogserie gewisper – gerüchte – geschreӱ

Wirtshaus und Bauernkrieg 1525

Das Wirtshaus – Treffpunkt, Informationsbörse und Ort der Meinungsbildung

17. Juli 2025

Im frühen 16. Jahrhundert war das Wirtshaus ein zentraler Ort des Alltagslebens. Einheimische, Reisende und Händler kamen hier zusammen, um zu essen, zu trinken, zu übernachten – und um Neuigkeiten auszutauschen. Wirt und Wirtin kümmerten sich gemeinsam um Gäste aller gesellschaftlichen Gruppen. Gegessen wurde meist mit Löffel und Messer, da Gabeln noch selten waren. Das Wirtshaus verband Menschen und machte soziale Grenzen zumindest zeitweise durchlässig. Fakten, Halbwissen, Gerüchte und gezielte Falschinformationen vermischten sich. Flugschriften wurden laut vorgelesen und mit Bildern erklärt, sodass auch Menschen ohne Lesekenntnisse Zugang zu politischen und religiösen Inhalten hatten. Das Wirtshaus war ein Ort früher öffentlicher Meinungsbildung.

Sonderausstellung „gewisper – gerüchte – geschreӱ. Wirtshaus und Bauernkrieg 1525“
Südtiroler Landesmuseum für Volkskunde, in Zusammenarbeit mit dem Stadtarchiv Bruneck
vom 10. Mai bis 9. November 2025
verlängert bis 30. Juni 2026

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Blogserie gewisper – gerüchte – geschreӱ

Wirtshaus und Bauernkrieg 1525

Europa um 1500 – Umbruch, Krise und neue Ideen

9. Mai 2025

Um 1500 erlebte Europa tiefgreifende Veränderungen. Entdeckungsreisen erweiterten das Weltbild, der Buchdruck beschleunigte die Verbreitung von Wissen und Ideen.

Gleichzeitig verschärften sich soziale und wirtschaftliche Probleme: Inflation, Missernten und steigende Abgaben belasteten vor allem die ländliche Bevölkerung. 

Die Kirche verfügte über großen politischen und wirtschaftlichen Einfluss. Missstände, Machtkonzentration und Reformforderungen führten zu wachsender Kritik. Neue religiöse Bewegungen wie die Reformation fanden zunehmend Anhänger.

Europa befand sich in einer Übergangsphase zwischen Mittelalter und Moderne – geprägt von Hoffnung, Unsicherheit und Konflikt.

Sonderausstellung „gewisper – gerüchte – geschreӱ. Wirtshaus und Bauernkrieg 1525“
Südtiroler Landesmuseum für Volkskunde, in Zusammenarbeit mit dem Stadtarchiv Bruneck
vom 10. Mai bis 9. November 2025
verlängert bis 30. Juni 2026

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