Aktuelle Sonderausstellung

Huckepack – Transport auf dem Rücken

vom 16. Mai bis 31. Oktober 2021

Von alters her hat sich der Wanderhandel unterschiedlichster Rückentraggeräte bedient und im landwirtschaftlichen Jahreslauf, auf dem Berg und im Tal, waren viele Tätigkeiten verbunden mit dem Transport von Ladegut: von der Ernte übers Streb sammeln, Holz- und Misttragen bis zur Almwirtschaft.

Auch heutzutage schleppen Schulkinder, Wanderer und Reisende die Utensilien des unmittelbaren Bedarfs – sei es Proviant, die Wechselkleidung oder die Schreib- und Leseunterlagen – mit sich. Sie alle kennen nur zu gut die Vorteile des Tragens auf dem Rücken: Die Hände bleiben frei für eine Schneeballschlacht, für die Wanderstöcke oder die Landkarte; das Gewicht lagert kräfteschonend und die Fortbewegung kann im aufrechten Gang erfolgen.

Die veränderten Lebensbedingungen im 20. und 21. Jahrhundert haben, wie in vielen anderen Bereichen, zur Weiterentwicklung – und auch zum Verschwinden – einiger traditioneller Tragebehelfe geführt.

Das Volkskundemuseum zeigt anlässlich des Euregio-Themenjahres „Transit – Transport – Mobilität“ in einer kleinen Ausstellung ausgewählte Rückentraggeräte aus seiner Sammlung und schlägt dabei einen Bogen in die heutige Zeit.

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Artefakte im Fokus

Wir stellen Ihnen jeden Monat ein Objekt aus der Sonderausstellung „Huckepack – Transport auf dem Rücken“ vor.

Mai: Heu- und Holzkraxe

Die Machart folgt einem einfachen Prinzip: zwei parallele, auch natürlich gewachsene (Ast-)Gabeln sind mit Querbrettchen miteinander verbunden. Die glatte Fläche liegt auf dem Rücken des Trägers auf.

Die oberen Querbrettchen nehmen die Tragriemen auf, am unteren Ende sind diese meist an den Holmen befestigt. Das Ladegut wird zusätzlich mit einem Seil festgebunden. Diese Rückentrage eignet sich für Holz, Garben, Heu u. Ä.

Kraxe. Holz, Leder, geflochten.
L/1277

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Juni: Stibich

Mehl gehörte zu den wichtigsten Nahrungsmitteln auf einem auf Selbstversorgung ausgerichteten Hof. So manche Mühle stand in einem Bachgraben und war mit Pferdefuhrwerken nicht erreichbar.

Der Stibich ist ein etwa 1,20 m hohes Holzgefäß mit Deckel und Tragriemen für den Transport von trockenen Lebensmitteln wie Korn und Mehl. Alternativ dazu gab es Säcke aus Leinen oder Leder. Die Bauern trugen im sog. Stibich das Korn zur Mühle und das Mahlgut nach Hause.

Stibich. Holz, Metall, Textil.
SVM B/12796

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Juli: Rucksack

Gepäckstücke, die man auf dem Rücken tragen kann, ermöglichen eine gute Lastverteilung und freie Hände. Einige Personengruppen haben diese Vorteile schnell erkannt – Soldaten, Künstler, Handwerker, Pilger, Alpinisten – und bereits im 19. Jh. und 20. Jh. dazu beigetragen, dass sich der Rucksack, aus Leder oder Leinen, verbreitet.

Auch Bauern und Bäuerinnen verwendeten ihn häufig bei langen Fußmärschen wie dem Gang zum Markt, bei der Feldarbeit für den Transport des Proviants, auf dem Almweg, auf der Jagd oder beim Fischen.

Rucksack. Textil, Leder, Kunstleder, Metall, gewebt, genäht. Zwei aufgesetzte Taschen. Die Trageriemen sind mit Wollfilz gefüttert.
SVM A/2356

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August: Zumme

Tragbare Holzgebinde kamen früher zum Einsatz, um Flüssiges wie Wasser und Milch zu tragen, aber auch um Mist und Jauche zu befördern. Sie stammten aus der Werkstatt des Fassbinders. Holz- oder Eisenreifen halten die Dauben zusammen, der Deckel, manchmal mit Loch für Zapfhahn, schützt vor Verunreinigung und Verschütten.

Die Zumme, eine flache hölzerne Tragbutte, war bei der Weinlese in Südtirol unerlässlich: Die Zummenträger transportierten die Trauben zum Erntewagen oder direkt in den Keller. Kunststoff-Zummen haben seit den 1950er-Jahren die hölzernen in höheren Steillagen ersetzt.

Zumme. Holz, gebindert, Textil. Seitlich herausnehmbarer Holzstift.
SVM B/12795

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September: Schultasche

Die Schultasche bestand bis in die 1970er-Jahre aus Leder, manchmal war das Gestell auch mit Fell bespannt.

1975 kam die erste Scout-Schultasche auf den Markt. Die Scout-Modelle boten mehr Stauraum und bestanden anfänglich aus Pappe und Polyestergewebe, weshalb sie leicht und bequem zu tragen waren. Die Verwendung von Textilien und Kunststoff ermöglichten einen großen Gestaltungsspielraum. Fluoreszierendes Gewebe und Reflektoren sorgten für mehr Sichtbarkeit auf dem Schulweg.

Während bei den Grundschulkindern der Ranzen überwiegt, benutzen die Schüler höherer Stufen vor allem Rucksäcke. Spätestens seit den 1990er-Jahren etablierten sich Markenrücksäcke wie beispielsweise Eastpak und Invicta.

Schultasche. Leder, Textil, Federkiel, gestickt. Initialen „K. L.“.
SVM B/4882

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Oktober: Rückentragkasten für Tatlkrumer

Die wandernden „Tatlkrumer“ oder „Kastenkrämer“ – meist Händler, die aus dem nahen Trentino kamen –schleppten ihre Ware in Rückentragkästen durchs Land. Die vielen kleinen Schubladen waren vollgestopft mit Nähzeug, Bändern, Spangen und Kämmen. Ab Allerheiligen begaben sie sich auf Wanderschaft und boten in den Bauernstuben ihre Waren feil.

Rückentragkasten für „Tatlkrumer“. Holz, Leder, Metall, Wolle.
SVM B/12799

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Vergangene Sonderausstellungen

Nachfolgend haben wir für Sie einen Überblick über die Sonderausstellungen der vergangenen Jahre zusammengestellt.